Sonntag, 10. Juni 2012

4000 Inseln und ein Wasserfall

Unsere letzte Station brachte uns auf eine der 4000 Inseln ganz im Sueden Laos. Hier erreicht der Mekong seine groesste Ausdehnung. Auf einer Laenge von 50 km und einer Breite von bis zu 14 km gliedert sich der Fluss in etliche Kanaele und gibt hunderte kleine Inseln frei. Hier vergisst man schnell, dass Laos keinen eigenen Meeresanschluss hat. Vom Festland aus geht’s mit dem Boot auf Don Det. Wir legen an einem kleinen Strand der Insel an und sind begeistert, die Ufer sind gesaeumt mit Kokospalmen und Bambushuetten. Wir hatten zuvor von Julie einen Tip bekommen, wo man gut abhaengen koennte.
Wir machen uns auf den Weg zur Unterkunft, die leider am anderen Ende der Insel liegt, aber so haben wir schon mal alles gesehen. Dort angekommen schmeissen wir uns erst einmal in eine der vielen Bamushaengematten, wir sind uebrigens die einzigsten Gaeste im Guesthouse und haben somit die ganze Terrasse fuer uns allein. Am naechsten Tag passiert nicht viel, wir lassen die Seele baumeln, lesen, buzeln, schauen dem Mekong beim Fliessen zu und gehen ein absolut geiles Yellow Curry essen (mit Kokosnuss, was fuer ein Gaumenschmaus!) und wir buchen einen Boottrip bei unserer Unterkunft. Wir wissen nur soviel, es geht zu den naheliegenden Wasserfaellen, dort soll es richtig “beautiful” sein, wir werden schwimmen, muessten uns aber wegen der Stroemung aneinander ketten, damit wir nicht in den Wassefall fallen, ach und ein Picknick gibt es auch – klingt doch aufregend! Los ging es am naechsten Morgen, eher Vormittag, wir radelten zu der Tante unseres Gasthausbesitzers, der uebrigens Mr. Hoom heisst. Dort angekommen hiess es erst einmal warten, ja, die Laoten sind unter anderem auch fuer ihre Gemuetlichkeit bekannt. Wir warteten auf Mr. Hooms Onkel, der mit
 uns dreien dann rausfahren wuerde. Die Tante wohnt recht nett, wenn auch zugleich ein wenig schmuddelig. Auf dem Grundstueck stehen zwei grosse Holzhaeuser auf Stelzen. Wie viele Familienmitglieder hier eigentlich wohnen, konnten wir nicht wirklich ausmachen, aus jeder Ecke zeigte sich immer wieder ein neues Gesicht, aber es waren viele. Zwei Maenner rupften jeweils einen Reiher, oder so etwas aehnliches, der Vogel hatte einen langen Hals und nen spitzen Schnabel. Wir konnten sogar noch beim Ausnehmen und Brutzeln  zuschauen, zwischendurch gab es immer wieder einen Lao Lao, ansonsten gab es keine grossartigen Aktionen. Man bewegte sich von der oberen Haengematte in die untere oder gesellte sich zum Fernsehen schauen mit auf den Holzboden, und wartete bis der Tag zu Ende ging. Nun endlich war doch auch der Onkel eingetroffen. Los ging’s, wieder in einem viel zu kleinem Boot, das Wasser stand bis zum Bootsrand. In Richtung Wasserfall nahmen die Wellen zu und unser Boot drohte zu kentern und wir hatten jetzt schon die Schn… gestrichen voll. Mir nichts dir nichts setzte uns Mr. Hoom erst einmal auf einer der vielen kleinen, nur einen quatratmetergrossen Inseln aus. Wir standen bis zum Knoechel im Wasser. Mal nen 360 Grad Blick schweifen lassen, da gab es nicht viel ausser Wasser und weitere kleine Inseln, in der Ferne hoerte man den Wasserfall. Aber Mr. Hoom kam zurueck mit einem groesseren Boot, wir atmeten auf. Nach dem Anlegen, standen wir mit offenem Mund da, Mr. Hoom hatte nicht zuviel versprochen, die Landschaft war wirklich wunderschoen, viele schroffe Felsen tatten sich auf und das Wasser brauste in verschiedenen Richtungen in die Tiefe, aber das war noch nicht der eigentliche Wasserfall.
Nein, wir sollten noch ein Stueckchen schwimmen. Wie jetzt, hier ins Wasser?, wo ich doch den Wasserfall sehen kann und es danach 5 oder mehr Meter in die Tiefe geht? Mr. Hoom stand bereits im Wasser und man konnte sehen wir stark die Stroemung war, neeeee… niemlas!, fuer mich stand’s fest, ich muss den Wasserfall nicht sehen, meine Angst war zu gross, doch Mirko stuerzte sich in die Fluten. Mit Mr. Hooms Unterstuetzung  erreichte er einen Felsvorsprung, von dem er direkt in das hinabstuerzende Wasser sehen konnte. Absolut stark!

 

Jetzt sollte es zum Picknick gehen, die ganze Familie von Mr. Hoom war anwesen, doch gab es da wieder ein Hinderniss, ne Bambusbruecke aus zwei Bambusstecken, ein Stecken zum Darueberlaufen und einer zum Festhalten. Nach anfaenglichen Schwierigkeiten, habe ich mich nach dem zweiten Anlauf uber diese Bruecke getraut, man was war das fuer ne Aktion. Dort wartete gegrillter Fisch auf uns, frisch gefangen, er zabbelte noch als er ueber das Feuer kam….
Um die Ecke sahen wir die rohe Naturgewalt, das Wasser wie es die Felsen hinunterstuerzte und sich in einem Strudel ertrank – absoluter Wahnsinn, dass kann man gar nicht richtig beschreiben, wir waren ueberwaeltigt von so viel Naturschoenheit. Wir vergnuegten uns in einem der vielen Wasserbecken, sprangen und tauchten - der Ausflug hatte sich gelohnt, vor allem waren wir allein! Nicht jeden nimmt Mr. Hoom mit an diesen Platz, sagte er uns im nachhinein.
Was kostete uns dieses Erlebnis, nur nen Kasten Bier und ein paar Wasserflaschen.




 
So sieht uebrigens der laotische Kaffee aus - er ist schwarz wie die Nacht, man bedenke dieser ist bereist mit suesser Kondensmilch verduennt und trotzdem ist er noch recht zaehfluessig - nicht jedermanns Geschmack. Wenn man ihn schnell drinkt, ist's ok.
 
... der Hauskater, chillte auch den ganzen Tag






So sah es jeden abend aus, Insekten ueber Insekten...

Samstag, 9. Juni 2012

Vat Phou - Es war einmal ein Koenigreich...

Von Pakxe aus machten wir uns auf den Weg nach Vat Phou. Wir fuhren auf einer schoenen Asphaltstrasse am Mekong entlang. Nun sollten wir uebersetzten. Eine Faehre, nunja wohl eher eine Kleinausgabe eines "Katamerans", zugegeben es waren doch eher zwei kleine Nussschalen mit 3 Holzbrettern, mit gerade genuegend Platz, um das Moppet auf dem Seitenstaender abzustellen, wartete auf uns. Noch schnell einen Opi aufgeladen, dann ging es ueber den riesig, braunfarbenen Mekong. Am anderen Ufer erreichten wir Champasak, eine sehr kleine entspannte Stadt. Die Haeuser stehen auch hier  wieder auf Stelzen, jetzt nach dem heftigen Regen ist das auch die einzigst vernuenftige Bauweise in dieser Region. Nach den heftigen Niederschlaegen der letzten Tage stehen die Felder endlich voll mit Wasser. Trotzdem ist es tagsueber richtig heiss, da moechte man doch  manchmal einfach Wasserbueffel sein. Eine neue Strasse sollte direkt bis zur Tempelanlage fuehren, leider war diese noch nicht fertig gestellt. Die Bruecke fehlte, ebenso die aufgeschuettete Strasse, die noch vor wenigen Tagen ueber den Fluss reichte. Der Regen und die Wassermassen hatten sie davongetragen. Wir machten einen kurzen Stop und kehrten zum Ort zurueck. Hier fanden wir eine passierbare Bruecke. 
Der Tempelkomplex Vat Phou gehoert zu den stimmungsvollsten Heiligtuemern der Khmer ausserhalb Kambodschas. 

Die aeltesten Ruinen stammen aus dem 6 Jh. und gehen Angkor zeitlich voraus. Die Anlage war sogar in frueheren Zeiten ueber eine Strasse mit dem 250 km suedwestlich gelegenen Machtzentrum verbunden. Wirklich viel ist nicht stehen geblieben, aber man ist gerade dabei mit der Unterstuezung Italiens und Indiens die Anlage zu restaurieren. Vat Phou wurde urspruenglich hinduistischen Goettern geweiht, erst seit dem 14 Jh. wird im Bergtempel Buddha verehrt. Besonders gut haben uns die Baeume gefallen, die im Laufe der Jahre durch die Steine gewachsen sind.
                                                 
Hier liessen sich weitere schoene Bilder schiessen. Eines unserer Lieblingsmotive, die Moenche mit ihren grell orangfarbenen Gewaendern.
Wir sind gespannt auf Ankor Wat!

Freitag, 8. Juni 2012

Rollertour ueber das Plateau


Ja, mit dem Moppet sind wir doch ein Stueckchen in Laos herumgekommen. Weil direkt eine Rollertour in unserem Reisefuehrer ausgeschrieben war und wir den Durchschnitt der platten Reifen senken wollten, rollten wir nochmal los. Oestlich von Pakxe begann die Strasse ihren gemaechlichen Anstieg auf das Bolaven-Plateau (ca. 1200 m). Das fruchtbare Hochland ist besonders fuer sein mildes Klima, seine Mon-Khmer-Voelker und die vielen 
Kaffeeplantagen bekannt.  Franzoesische Unternehmer fuehrten das Krappgewaechs in den 20er Jahren aus Vietnam ein, produzierten aber nie mehr als 300 – 400 t. In den 60er und 70er Jahren wurden die Plantagen von den USA zerbombt. Fachkraefte aus der DDR gaben der Produktion ein Jahrzehnt spaeter wieder den Aufschwung. Ein Hollaender, der in Pakxong lebt und eine Kaffeeplantage besitzt, wusste bestens ueber diese Historie Bescheid und zeigte uns diese Barrake aus dem Jahr 1983. Koennte doch auch in Chemnitz und Umgebung stehen?! Seit den 90er Jahren ist der Kaffee inzwischen die wichtigste Exportfrucht, ein Grossteil geht an Polen, Frankreich und Deutschland. Mehr als drei Viertel des angebauten Kaffees entfaellt auf die Sorte Robusta, der Rest auf Arabica.
Das Plateau ist aber nicht nur wegen seiner vielen Plantagen (Kaffee, Bananen, Kautschukbaeumen) 
sondern auch wegen der vielen Wasserfaelle (die im Reisefuehrer aufgefuehrten belaufen sich auf 10 Stueck) sehenswert. Alle paar Kilometer koennte man anhalten, Eintritt bezahlen und den Wasserfall bestaunen. Das ganze haben wir drei mal gemacht.  Gestoppt haben wir zum einen am Tad Pha Souam, einem kleinen breiten Wasserfall, mit kuenstlich angelegter Anlage und einem integrierten Ethnodorf drumherum. 
Hier haben wir diese netten Damen getroffen, die dort arbeiten, leben und kein Wort von uns verstanden. Wir hatten trotztdem unseren Spass – smoking connecting people - und bestaunten ihre grossen Ohrringe, Zahnluecken und schwarzen Zaehne. Das Bild wollten sie sogar von uns ausgedruckt haben. Zum anderen hielten wir am Tad Soung, von dessen Fallstufe man einen tollen Blick ueber das Plateau hatte. Den dritten Wasserfall haben wir in unserem Uebernachtungsstopp in Tad Lo erreicht. Untergekommen sind wir wieder recht spartanisch, eine kleine Bambushuette mit einem Bett und Moskitonetz drin, war vollkommen ausreichend fuer diese Nacht. Am naechsten Morgen ging es nach Pakxong, zum bereits genannten Hollaender, einen Kaffee trinken und Kaffee kaufen. Vorbei an unzaehligen Plantagen, kleinen Bambushuetten, schicken Holzhaeusern, dicken Schweinen, grossen Schweinen,  kleinen Schweinen, aufgescheuchten Huehnern, bellenden Hunden, im Schlammloch badende Bueffel, lauten Traktoren,
gemuetlichen Kuehen, reichhaltigen Verkaufsstaenden und winkenden Kindern fuehrte uns die Strasse zurueck nach Pakxe. Zwichendurch haben wir immer wieder kleine Snackstopps einlegen muessen, natuerlich wegen des Regens. Wir sahen sogar den Regen direkt auf uns zukommen. Nette Philosophie hier in Laos, sobald es regnet, isst man.
Im Gegensatz zu unseren anderen Touren, war diese ueber das Plateau voll entspannt.
Wir genossen diese relaxte Atmosphaere und die tollen Ausblicke auf die Natur waehrend der Fahrt, vielleicht lag es auch daran, dass wir diesmal keine Pannen hatten und der Strassenbelag absolut tiptop war.

Auf dem Weg nach Sueden




Nach unserer Motorradtour im Norden machten wir uns ueber Luang Prabang und Vientiane, wieder via
oeffentlicher Verkehrsmitteln, auf in den Sueden. Wir sind auf dem Weg nach Pakxe. Aber zuvor machten wir einen Halt bei Thakhek. Warum diese Zwischenstadion? Zum einen wollten wir nicht die 670 km und ca. 12 - 16 Stunden im Bus sitzen, zum anderem lockt die Region um
Thakhek mit zahlreichen Hoehlen. Da wir die Hoehlen um Vang Vieng und auch die groesste Hoehle Laos, wegen unzugaenglicher Wege und Zeitmangels nicht gesehen haben, dachten wir uns, hier muessen wir nochmal einen Blick riskieren. Das Wetter war nicht besonders gut, es regnete in unregelmaessigen Abstaenden. Wir entschlossen uns dennoch die entfernt liegende Hoehle Tham Kong Lo zu besuchen. Laut Reisefuehrer fahren jeden Tag Busse und Songtheos (Pickups mit Sitzmoeglichkeiten hintendrauf) in den der Hoehle nahegelegenen Ort Nahin. Dort geht es dann
ebenfalls mit dem Songtheos zur Hoehle. Alles in allem sollte die Fahrt 4 bis 5 Stunden von Thakhek nach Nahin und noch eine weitere Stunde bis zur Hoehle dauern. Ok, dachten wir uns, machen wir! Fruehes Aufstehen sicherte gute Plaetze im Bus. Los ging die Fahrt um 7.30 Uhr. Ein bisschen gebutzelt, aus dem Fenster geschaut und noch ein Nickerchen gemacht … schwups waren auch schon die ersten 4 Stunden um. Nun mussten wir bedauerlicher Weise im Ort auf den Anschluss zur Hoehle eine Stunde warten. Ja, nur noch eine Stunde, dann sind wir gegen halb zwei an der Hoehle. Das Songtheos war gerammelte voll. Und irgenwie werden die Einheimischen immer vor ihrer Haustuer abgesetzt; nur die Touris werden an die oft kilometerentfernt liegenden Busstationen ausserhalb der Ortschaft abgeladen, das aber nur am Rande. Letzendlich war es halb vier als wir an der Hoehle ankamen. Es regnete noch immer, die Umgebung war wolkenverhangen. Wir wollten doch heute abend mit dem Nachbus noch nach Pakxe, der letzte Bus ging um 23 Uhr! Na ob wir das noch schaffen!?
Doch jetzt ging es erst einmal mit
dem Boot, ner kleinen motorbetriebenden Nussschale, in die Hoehle. Der Eingangsbereich taeuscht mit seinen 5 m Hoehe und 25 m Breite ueber das Ausmass der Hoehle hinweg. Etliche Hallen, teilweise bis zu 100 m hoch und 60 m breit, reihen sich hier auf 6,3 km aneinander, die durch einen Fluss durchquert werden. Nach ein paar Minuten fahrt gelangt man an eine Stelle mit meterhohen Tropfsteinen. Hier stiegen wir aus dem Boot und bewunderten die stimmungsvoll beleuchteten Stalakmiten und Stalaktiten. Ohne Licht war’s wirklich
stockfinster, man hat noch nicht einmal seine eigene Hand vorm Auge erkennen koennen, uhh gruselig! Wieder im Boot fuhren wir im zuegigem Tempo durch die Hoehle. Zum Teil war es mir ein wenig mulmig, da ich im Dunklen sowieso schlecht sehe, und dann kam noch das leichte Schaukel dazu. Wieder am Ausgangspunkt angekommen, sahen wir uns beide fragend an. “Das war’s jetzt schon?”, wir haben uns ein wenig mehr erhofft. Die Hoehle besticht durch ihre groesse, gar keine Frage!, aber so richtig umgehauhen hat sie uns leider nicht.
Jetzt ging es an die Heimfahrt. Es hatte aufgehoert zu regnen, nun sahen wir die ueberragenden Berge, hier haette man auch ein wenig laenger bleiben koennen! Aber die Zeit, die Zeit! Unser Taxifahrer wartete schon auf uns, in nullkommanix waren wir in Nahin. Haben Kuehe weggehupt und auch leider eine Katze ueberfahren. Ein weiterer Anschluss bis zur Hauptkreuzung war wie aus dem Nichts da. Wir mussten nicht lang warten, dann sassen wir schon im Bus, noch schnell ueber 6 Traktorreifen in den hinteren Busteil gestiegen, dann ging es nach Thakhek. In allem haben wir 4 Stunden gebraucht, geht doch!

Unser Nachtbus war gesichert…. Auf nach Pakxe!

Donnerstag, 7. Juni 2012

Motorradtour in den Norden, klare Luft & Hilltribes

Nach unserem Treffen mit den Schweizern entschieden wir uns,
vollgetankt mit neuer Energie und Unternehmungslust, fuer 8 Tage ein chinesisches Motorrad zu leihen, Marke ZongShen, 125ccm ... Klaenge bei 7000 U/min - unbeschreiblich. Das, was wir bislang vermissten, z. B. das Stoppen zwischen den Ortschaften, was man als Busreisender nicht hat, konnten wir jetzt in vollen Zuegen auskosten. Sei es wegen schoener Landschaft, einer Panne oder einfach nur so. Unser erstes Tagesziel war die 165 km entfernte kleine Stadt Nong Kiao. Bis km 81 lief auch alles prima, als wir nach einer kurzen Pause feststellen mussten das unser Hinterreifen doch recht luft- und somit lustlos aussah. Der erste obligatorische Kontakt mit den Einheimischen war hergestellt auf der Suche nach einer Reparaturmoeglichkeit. Das naechste Dorf war 2 km entfernt und so wurde bei geschaetzten 28,53 Grad geschoben. Die Reparatur ging schnell vonstatten, es wird nicht das ganze Rad ausgebaut, sondern auf einer Seite nur der Reifen runtergefetzt, Schlauch rausgerissen und im eingebauten Zustand geflickt. Wie immer wird mit spitzem Schraubenzieher nahe dem Reifen gearbeitet :-) ! Nach der Aktion waren die letzten Kilometer ein Klaks und wir fanden uns zwischen steil aufragenden Karstfelsen in sehr idyllischer Lage am Fluss wieder. Unsere bescheidene Unterkunft bietet uns sogar eine Haengematte auf der kleinen Terasse an und so erholen wir uns von unserem ersten Fahrtag.

Am naechsten Morgen waren wir skeptisch, wie weit wir es heute schaffen wuerden, da eine ausgeschriebene Hubbelpiste auf uns wartete. Bis Oudomxay war die Strecke gerade noch so tragbar, viele Schlagloecher und ganze aus Schotter bestehende Strassenabschnitte minderten das Durchschnittstempo der ersten 130 km enorm, immer wieder musste auf Schrittempo abgebremst werden um dem Zuckerfahrwerk und vor allem den Reifen unseres kleinen
Chinesen nicht zu viel zuzumuten. Wir entscheiden uns nach einer kurzen Pause in dieser kleinen Stadt, das auf uns wartende Stueck Feldweg in Angriff zu nehmen. Wenn wir starten, das war uns bewusst, mussten wir 90 km durchhalten, bis wir einen Ort zum Schlafen erreichen. Es sollte jedoch noch ein Stueck anstrengender werden, als wir uns vorstellten. Ueber staubige Huckelstrassen, schlaglochverseuchte, asphaltlose Schotteranhaeufungen gings nun Kilometer um Kilometer ins Gebirge. Wegen der schlechten Strassenqualitaet mussten wir lange Strecken im Schrittempo dahinzuckeln. Zwischendurch kotzten wir schon ganz schon ab, weil das Geschaukel einfach nur anstrengend war auf diesem Eierschleifer von Mopet. Ab und an erschwerte uns ein Lehmabschnitt oder eine Baustelle die Fahrt. Zu guter Letzt kamen wir nach 2 Stunden in Dunkelheit - unseren Weg mit der 35 Watt Funzel des Gefaehrts beleuchtet - nach in Boun Thai an. Heller haette die Lampe auch nicht sein duerfen, sonst haetten wir vermutlich noch mehr Insekten angelockt, die immer wieder gegen die Helme klatschten. Ein reichliches Essen und ein tiefer traumloser Schlaf(f) sollten uns auf die finale Etappe vorbereiten.

Am dritten Fahrtag lagen "nur" 100 km vor uns, der Rest Schotterstrasse und wieder Asphalt - wird uns zumindest versprochen. Die schlechte Nachricht heute: wir wachen noch zermuerbt vom Vortag bei Niederschlag auf und freuen uns schon auf eine Schlammschlacht. Doch zunaechst hiess es Funktionskleidung kaufen. Mit der regenfeuchten Strecke ging unsere Durchschnittsgeschwindigkeit noch weiterrunter, dazu kamen Strassenabschnitte aus Flusssteinen, die mit ihrer runden Form im Regen eine kleine Herausforderung fuer den Fahrer darstellten. Imwahrsten Sinne angepisst machten wir nach einigen Kilometern eine kleine Pause, unnoetig dass Gefuehl zu beschreiben, was in uns aufstieg, als sich endlich die Sonne durch die Wolken kaempfte. Alle Bergruecken waren nebelverhangen und es begann sofort alles zu dampfen. Wir konnten unseren Weg noch 10 km beschwingt durch einige glibbrige Schlammpassagen weiter geniessen, bis uns ein erneuter Plattfuss auf die Schwaeche unseres Gefaehrts hinwies - so eine Scheisse. Aber, wie immer gibt es eine Loesung und schon im naechsten Dorf fanden wir im Hinterhof einiger Haeuser einen willigen Helfer, der uns wieder ganz in laotischer Manier den Schlauch flickte. Mirko musste sich zwar ganz schoen beherrschen, ihn nicht zur Seite zu stossen und den Flicken selber draufzumachen, aber alles ging glatt und wir konnten weiterjuckeln. Am Nachmittag erreichen wir endlich wieder ersehnten Asphalt und koennen die letzten 50 km durch nun immer klarer und kuehler werdende Gebirgsluft dahingleiten. Hin und wieder sehen wir Gruppen traditioneller Hilltribe Frauen, welche mit typischen Accessiors geschmueckt sind. Trotz aller Anstrengungen erreichen wir gluecklich die Hauptstadt der noerdlichsten Provinz und stellen das Moppet erstmal in die Ecke.
Der naechste Tag gilt voll der Erkundung der Umgebung, nachdem wir den hinteren Schlauch, der nun schon 2 Mal geflickt worden war, in einer Werkstatt tauschen liessen. Zunaechst fuhren wir auf den staedtischen Tempelberg, von welchem aus man einen prima Blick in die bergige Landschaft hat. Der eigentliche Grund unserer Anwesenheit sind die genannten Hilltribes, traditionelle Bergvoelker, von denen es in dieser Region mehr als 27 verschiedene geben soll. Der naechste Weg fuehrt uns also ins Tourism Office, wo wir uns nach Touren in die Waelder der Umgebung erkundigen. Skeptisch, wieder fuer eine langweilige Wanderung zu viel Geld zu bezahlen,entschliessen wir uns fuer einen 2-Tages-Trek mit Uebernachtung in einem Akha-Dorf, Start ist der naechtse Morgen. Davor eiern wir noch ein wenig durch die Landschaft, doch als nach mehreren Km schlammiger Piste nichts weiter erscheint als einzelne Teeplantagen die sich zwischen die brandgerodeten Freiflaechen mogelten, kehren wir wieder um. Am Strassenrand sieht man immer wieder die Herrschaften mit einer Megawasserpfeife, meist aus Abflussrohr oder aehnlichem zusammengebastelt. Wir fragen uns waehrend der Fahrt noch, wieviele Huehner es eigentlich auf dieser Welt gibt, da wir das Gefuehl haben, dass uns jede Minute eines vor die Raeder rennt.

Am naechsten Morgen stiegen wir voller Vorfreude aufs Gefaehrt in Richtung Treffpunkt mit unserem Guide. Aber wie der Zufall so wollte, kamen wir zu spaet - warum, werden einige fragen, weil wir wieder mal nen Platten hatten, jetzt riss wirklich fast Mirkos Geduldsfaden. Was war die Ursache fuer die staendigenPannen? Es gab eine Vermutung. Wahrscheinlich waren es relativ scharfe Kanten innen im Reifen, die bei Niffelung des Reifens am Schlauch durch die Walkbewegung waehrend der Fahrt Hitze erzeugte und somit zum Versagen des Pneus fuehrte. Egal, wir brauchten erneut eine Moeglichkeit zum Flicken und diesmal schnell, da uns die Zeit fuer die Wanderung davonrannte. Nach wenigen Km, zum Glueck bergab, schieben fanden wir wieder einen Fleissigen. Kurzum kommen wir 1,5 Stunden spaeter und muessen den Trek kuerzen, um vor Dunkelkheit bei unserer Unterkunft anzukommen. Wir starten umgehend nach Abstellen des Mopets.
Zunaechst liefen wir auf einer Schotterstrasse in die huegelige Landschaft und machten nach 2 Stunden rast in einem Dorf der Akha. Der Deutsche Entwicklungsdienst hat hier ein Projekt gestartet, in welchem die Hill Tribes von den Besuchen der Touristen finanziell profitieren und dafuer Essen, Uebernachtung und Aehnliches bereitstellen. Im ersten Dorf bekamen wir im Wohn-Ess-Schlaf-Raum einen ganz kurzen Einblick ins taegliche Leben der traditionellen Bergbewohner. Wir bekamen vom Maennlichen Oberhaupt ein paar gebratene Pilze und Tee angeboten, mit denen wir uns staerken konnten. Beim Weitermarsch durch dichten Wald bemerken wir zunaechst wenig von den sich naeherenden Blutegeln, doch als unser Guide uns aufmerksam auf diese niedlichen Tierchen macht, haben wir das Gefuehl, sie sind ueberall. Und tatsaechlich, in dunkleren feuchten Abschnitten kriechen aus mehreren Richtungen immer wieder diese wurmartigen Geschoepfe heran, um sich dann wie ein Leuchttuermchen am Rand eines Blattes aufzurichten, um sich saugend am naechsten vorbeikommenden Schuh festzuhalten. In freien sandigen Wegstuecken kontrollieren wir immer wieder unsere Schuhe und Socken, denn selbst durch diesen Stoff stossen die Egel manchmal bis auf die Haut vor. Die vorruebergleitende Aussicht auf die dichten Waelder entschaedigen fuer die unangenehmen Weichtiere. Auf recht abenteuerlichen Wegen, wie z. B. unwegsames Gelaende ueberbrueckende Baumstaemme, kommen wir in unserem Tagesziel an, wo wir von allerlei angetrunkenen Akha Maennern begruesst werden. Diese feierten gerade den Rest ihres Neujahrsfestes und nicht viel spaeter haben wir selbst ein Glas mit frischem Lao Lao in der Hand. Weiterhin wurden einige Snaks eigenwilliger Kueche aufgetischt, an denen wir uns anfangs zoegerlich bedienten. Alles wurde von den Frauen gekocht und hingestellt. Die Maenner sassen permanent am Tisch und diskutierten, rauchten, tranken und assen. Wir beobachten eine Weile das Treiben in den einfachen fensterlosen Huetten und staunen ueber das beschwerliche Leben dieser Menschen. Wir bekommen ein Lager in einem der Verschlaege des Hauses vom Dorfchef und versuchen nach einigen Bier, Schnaps, Klebreis und zaehem Bueffelfleisch zu schlafen, haben aber bald die Gewissheit, dass das nicht geht. Die Frauen wirbeln bis spaet in die Nacht, unter uns grunzten die Schweine, irgendwo bruellte ein Kind und vor den Sonnenaufgang klapperten die Damen schon wieder mit den Toepfen. Warum fragten wir uns, war doch das Fruehstueck das gleiche, wie das Abendbrot. Unser Guide fragt uns noch beim Fruehstueck, ob wir nach der regenreichen Nacht weiter am Fluss laufen wollen, entscheiden uns wegen der Egel-Gefahr aber dagegen. Auf einer Schotterstrasse liefen wir 15 km bis in die naechste Stadt, wo wir uns von unserem Guide verabschieden und auf den Bus zu unserem Motorrad warten.
Als wir am Motorrad ankommen, stellen wir wieder verminderte Pressluft im hinteren Reifen fest, Wir hatten es fast befuerchtet. Mit etwas Pumpen kommen wir 10 km, erneutes Pumpen mit einer von Einheimischen geliehenen Pumpe brachten weitere 3 km, bis irgendwann das Ventil abriss und sich Resignation unter uns breit machte - wie sollten wir unter diesen Umstaenden die 500 km nach Hause schaffen? Wir fuhren per Anhalter zurueck nach Phonsali, wo unsere Unterkunft war. Mirko besorgt auf dem Markt das benoetigte Werkzeug und einen neuen Schlauch und macht sich wieder per Anhalter auf den Weg zurueck zum abgestellten Mopet. Nach der Reparatur besorgen wir noch Flicken und Kleber, fuer vermutete Selbstreparaturen fuer die Rueckfahrt.
Am naechsten Morgen starten wir zeitig, weil wir die gesamte Hubbelstrecke und noch einige Km bis nach Oudomxay schaffen wollen. Anfangs wollten wir mit dem Boot auf dem Nam Ou nach Sueden fahren, die Fahrt zusammen mit Motorrad waere aber viel zu teuer geworden, sollte sie doch so schoen werden. Wir bissen in den sauren Apfel und holperten zurueck. Wegen anhaltender Regenfaelle der letzten Tage wirds eine Mega Schlammschlacht. Die Erde ist hier so fein, das das Wasser nicht durchsickert, sondern eine prima schluepfrige Masse erzeugt. Wir kaempfen uns durch die 110 km Holperstein und machen bei Erreichen der Asphaltstrecke Mittagspause. Wir erhaschen noch einen Blick auf einige Frauen eines anderen Bergvolkes und machen uns erschoepft auf die letzten 50 km. Da wir das Motorrad noch einen Tag laenger haben, nehmen wir


uns vor, die Umgebung Oudomxais vormittags zu erkunden, bevor wir uns auf den Heimweg nach Luang Prabang machen. Die Strasse in Richtung Luang Namta ist der absolute Wahnsinn und eine Biker-traumstrecke. Wir genossen diese auf der Suche nach einer 16 km langen Hoehle. Leider war die touristische Infrastrucktur so schlecht ausgebaut, dass wir zu viel Zeit mit der Suche verbrachten und uns entschieden, nach einigen Km Nebenstrasse wieder umzukehren.
In der prallen Sonne, wenn sie sich mal zeigt, fahren selbst die Einheimischen immer mit Schirm durch die Gegend, wir mussten staendig aufpassen, dass wir uns die Handruecken nicht verbrannten. Wir treffen kurz vor der Abfahrt Harry aus den Niederlanden, welcher seinen ersten Tag mit dem Motorrad aus Vietnam kommend unterwegs in Laos ist. Er sagt uns dass er auf dem Weg nach Vang Vieng sei.. Er schliesst sich uns an und wir fahren zuegig die 180 km Richtung Luang Prabang. Es war nochmal ein ganz schoener ritt zum Abschluss, 3 km vor der Stadt klagt Conzi ueber ein schwammiges Fahrgefuehl..Prima: der 5te Platten in 8 Tagen! Mirko kotzt einfach nur noch ab, hatten wir doch gehofft, stolz wie Koenige am Ziel einzutrudeln, jetzt schieben wir wie Penner den Schrotthaufen durch die Tore der Stadt. Trotz allem sind wir froh, unfallfrei unterwegs gewesen zu sein und gehen zur Feier des Tages mal was europaeisches essen. Der naechste Morgen dient dem Flicken des Reifens und der Vorbereitung auf die Weiterfahrt nach Sueden, nun wieder mit dem Bus.